Die Kampermauer liegt auf 1394m Höhe ganz in der Nähe von Windischgarsten, genauer Rosenau auf dem Hengspass, in Oberösterreich. In dieses Eckchen verschlägt es Kletterer nicht in Scharen.. wer seine ersten Mehrseillängenrouten in Alpinen Gelände bewältigen will, der kommt hier ganz sicher auf seine Kosten! Die Kampermauer ist durchgehend hervorragend mit Bohrhaken abgesichert. Es gibt eine handvoll Einsteigerrouten in denen man sich von Morgens bis Abends die Sonne auf den Rücken scheinen lassen kann – denn das Gebiet ist nahezu komplett Südseitig ausgerichtet. Auch der Zustieg lässt sich innerhalb kürzester Zeit bewältigen. Die Routen sind in spätestens 15 Minuten erreicht – natürlich zuzüglich der Zeit die jedermann zur Erkennung der Richtigen Route benötigt. Ein paar der Routen sollen im Folgenden kurz Vorgestellt werden…
- Die Superdiagonale ist die Top Tour in diesem Gebiet. Sie weißt eine Schwierigkeit von Ma
ximal 6- auf, meist bewegt man sich jedoch im 5 Schwierigkeitsgrad. Die 2,4 und 8 Seillänge ist überhängend. Insgesammt sind 9 Seillängen zu bewältigen. Die Route ist extrem Abwechslungsreich, denn von Plattenklettern (1. Seillänge), Rißkletterei (2. Seillänge), Kaminklettern(7 und 8. Seillänge) bleibt nahe zu kein Wunsch offen. Auf Grund ihrer Länge ist die Superdiagonale nicht zu unterschätzen. Es ist auch so, dass nur bis zur 4. Seillänge vernünftig Abgeseilt werden kann. Die ersten drei Abseilpunkte am Ende der Route verlaufen nämlich nicht über die eigentliche Tour. Dies ist für nachkletternde Seilschaften generell ein Vorteil – bei unsicherer Wetterlage kann es sich jedoch als Nachteil erweisen. Oft wird die Superdiagonale als eine der lohnensten Touren in dieser Schwierigkeitsstufe beschrieben – dem ist durchaus zuzustimmen. Eine Toptour. Bei leicht nassem Fels ist die 6- Stelle durchaus knackiger. - Gullivers Reisen ist eine nette Einsteigertour, die maximal eine Schwierigkeit von 4+ aufweist. Insgesamt sind 4 Seillängen zu bewältigen und nur einmal Abzuseilen, da die Route sehr quer verläuft. Die Route ist super abgesichert und eignet sich gut um den Fels an der Kampermauer zu beschnuppern. Zusätzliche Sicherungen sind auch hier nicht nötig, da die Route ausreichend mit Bohrhaken gesichert ist.
- Vegetarierkante ist leider “ausgelassen” wie es uns ein Einheimischer mitteilte, nach dem wir vergebens nach den richtigen Haken gesucht hatten. Unser Hüttenwirt teilte uns im Nachhinein mit, dass es wohl Probleme mit der Route gab, da sie ohne Zustimmung geschraubt worden war und somit ggf. geschütztes Gut gefährdet. Andere Stimmen teilten uns mit, dass sie einfach zu abgelatscht war und deshalb die Haken abgesägt wurden.
- Wasserfallkante ist eine äußerst lohnende Tour, die zunächst rechts und dann links von einem Wasserfall entlang führt. Natürlich ist hier nicht von einem reißenden Strom die Rede, sondern eher von einem leichten Geplätscher. Die Route kreuzt nur einmal den kleinen Fall und mit einem großen Schritt schafft man es auch trockenen Fußes auf die andere Seite. Die tour ist sechs Seillängen lang und bewegt sich recht konstant im 5 Schwierigkeitsgrad. Eine empfehlenswerte Genußkletterroute. Abgeseilt wird drei Mal leicht links vom eigentlichen Routenverlauf. Die Bohr
haken sind auch hier in sehr humanen Abständen gesetzt. - Hermeline ist gleich neben der Vegetarierkante zu finden. Der Routenverlauf ist sehr intuitiv – führt einen aber leider ein wenig übers Grüne. Insgesammt ist die Tour sehr schön griffig und hat immer wieder prächtige Henkel parat. Insgesammt sind 6 Seillängen zu bewältigen.
- Schmetterlingsplatte ist eine sehr leichte 4 Seillängen Tour. Hier können Beginner Vertrauen finden. Allerdings ist zu erwähnenen, dass diese Rinne im Winter oft von Lawinen heimgesucht wird. Dies gefährdet die Bohrhaken. Im Frühjahr ist auf Grund von Schmelzschnee der untere Teil bisschen Grün. Die Tour ist für Kletterer mit ein wenig Erfahrung ggf. etwas langweilig.
Abschließend kann man sagen, dass die Kampermauer für’s Genußklettern zahlreiche Routen bieten kann. Der kurze Zustieg und die Topabsicherung mit Bohrhaken machen das Gebiet äußerst attraktiv. Natürlich kann hier nicht von reinem Alpinklettern die Rede sein, sonder eher von Alpinen Sportklettern in Mehrseillängenrouten.
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